Schwangerschaft

FRAUEN

Der Eisenbedarf ist in einer Schwangerschaft durch die Ernährung des ungeborenen Kindes um 50 % erhöht.

In der Schwangerschaft stellt sich eine negative Eisenbilanz ein, die sich nach Bothwell (Am J Clin Nurt. 2000; 72 (suppl): 257S-264S) wie folgt beziffern lässt:

  • Fetus: 270 mg
  • Plazenta: 90 mg
  • Zunahme von Erythrozytenzahl und Hämoglobin: 450 mg
  • Geburt (Blutung): 150 mg

Dies bedeutet einen Nettoverlust von bis zu 1000 mg Eisen.

 

Die Eisenverluste lösen bei 38 % der Schwangeren einen Eisenmangel aus und bei 10 % eine Blutarmut (Acta Med Port. 2016 Sep;29(9):514-518. doi: 10.20344/amp.6808. Epub 2016 Sep 30.) . Die Blutarmut gefährdet durch den verminderten Sauerstofftransport nicht nur die Gesundheit der Schwangeren sondern auch das Wohl von Embryo und Fetus. Je nach Schweregrad einer Eisenmangelanämie kommt es gehäuft zu Schwangerschaftskomplikationen (Schaefer RM. et al. Aktuelle Empfehlungen zur Therapie der Eisenmangelanämie – update 2005. Eisenbrief 2005; 3: 1-12):

  • Fehlgeburten
  • Frühgeburten
  • intrauterine Wachstumsverzögerung
  • intrauteriner Fruchttod
  • Harnwegsinfektionen der Mutter

Omega-3, Jod und Folsäure. 

Wir beraten Sie gerne in
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Von einem günstigen Einfluss von Eisengaben auf die Kindsentwicklung ist somit auszugehen und dieser konnte wissenschaftlich auch belegt werden. 2013 wurde im Britischen Ärzteblatt eine Meta-Analyse (BMJ 2013; 346: f3443) veröffentlicht. Es zeigte sich durch die Eisensubstitution:

  • eine Verbesserung der Hämoglobinwerte
  • eine Steigerung des Geburtsgewichts
  • ein Rückgang von Mangelgeburten
  • kein Einfluss auf die Frühgeburtenrate.

In der Schwangerschaft geht man bei einem Hb < 10,5 g/l von einer behandlungsbedürftigen Eisenmangelanämie aus. Routinemäßige Ferritin-Bestimmungen sehen die ärztlichen Leitlinien für Schwangere nicht vor. Lediglich bei Frauen mit einem Risiko für Eisenmangel, sollte das Ferritin bestimmt und bei Werten < 30 µg/l substituiert werden.

 


Ferritinbestimmungen sollten durchgeführt werden bei:

1. Frauen mit Blutarmut

Frauen mit Blutarmut, deren Eisenspeicher eingeschätzt werden sollen. Beispielsweise vor Eiseninfusionen.

2. Frauen ohne Blutarmut

Frauen ohne Blutarmut mit einem Risiko für Eisenmangel. Zu nennen sind hier:

  • vorausgegangene Anämien
  • mehr als 3 Kinder
  • rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften
  • Vegetarier
  • Teenager
  • Blutungen in der Vergangenheit

3. Frauen ohne Blutarmut mit Blutungsgefährdung

Frauen ohne Blutarmut die Blutungsgefährdet sind Eiseninfusionen sind, sind im ersten Trimester der Schwangerschaft kontraindiziert. Im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel sind Eiseninfusionen bei entsprechender Indikation möglich.


Neben der Überwachung des Eisenstatus werden Frauen die Einnahme von 400 µg Folsäure und 100-150 µg Jod am Tag angeraten. Frauen, die nicht regelmäßig Seefisch essen, sollten ferner mindestens 200 mg langkettige Omega-3-Fettsäuren am Tag zu sich nehmen.