Blutspender

EISENMANGEL

Beim Blutspenden wird dem Blutspender eine Menge von 500 ml Blut entnommen. Es heißt, dass ein gesunder, wohlernährter Mensch diesen Verlust bei den in Deutschland üblichen Blutspendeintervallen von 8 Wochen bei Männern und 12 Wochen bei Frauen durchaus kompensieren kann... Aber stimmt das?

Der Blutspendedienst führt regelmäßig Laborkontrollen bei den Blutspendern durch. Es wird dort allerdings nur ein sogenanntes rotes Blutbild erstellt. Der Eisentoffwechsel mit Ferritin (Speichereisen), Transferrin (Transporteiweiß) und Transferrinsättigung werden routinemäßig nicht bestimmt. Von der Blutspende zurückgehalten werden Spender daher erst dann, wenn eine Blutarmut bei manifestem Eisenmangel droht: Bei Frauen darf also ab einem Hb-Wert unter 12,5 g/dl und bei Männern unter 13,5 g/dl nicht gespendet werden. 

 

Wenn man sich nun vor Augen führt, dass eine einzelne Blutspende von 500 ml Blut mit einem Eisenverlust von 250 mg einhergeht, dann fragt man sich schon, wie bei einer täglichen empfohlenen Aufnahme von 10 mg (Männer) bzw. 15 mg (Frauen) Eisen und einer geringen Resorptionsquote diese Menge zusätzlich zum üblichen Bedarf aufgenommen werden soll.



So ist Eisenmangel bei Blutspendern denn leider auch an der Tagesordnung, was inzwischen auch wissenschaftlich bewiesen und im Lancet veröffentlicht wurde: Bei Männern lag bei den in Deutschland üblichen Blutspendeintervallen von 8 Wochen der Ferritinwert bei 25,7 µg/l. Bei den Frauen betrug der der Wert 21,9 µg/l (1). Mit anderen Worten: Der latente Eisenmangel bei Blutspendern ist der Normalfall.

Ist Blutspenden damit gefährlich? Nein! Der gesunde Organismus verkraftet Blutspenden ohne Komplikationen. Allerdings sollte man sich um die Eisensubstitution Gedanken machen, da derjenige, der – gleichwohl aus welchem Grunde – zum Eisenmangel tendiert, seine Eisenspeicher durch Blutspenden massiv strapazieren wird. So kann Blutspenden für Menschen mit Eisenverlusten oder für Vegetarier und Veganer schnell zu einem manifesten Eisenmangel führen. Natürlich kann man diesen Eisenmangel durch eine geeignete Kost und/oder oder Tabletten und Infusionen wieder ausgleichen. Man sollte es dann aber auch tun!

 

Es läge mir fern, hier gegen Blutspenden mobil zu machen. Es handelt sich beim Blutspenden um einen wichtigen Dienst am Gemeinwohl und es hilft, die Versorgung von Unfallopfern und schwerkranken Patienten aufrecht zu erhalten. Natürlich kommt es hier besonders beim Sportler zum Interessenkonflikt: Sportliche Höchstleistungen sind nur mit optimalem Mikronährstoffstatus möglich. So streben Sportler Speichereisen (Ferritin)-werte von > 100 µg/l an. Blutspenden steht dem oftmals entgegen. Es müsste also großzügig substituiert werden. Wird es aber nicht, weil zahlreiche Blutspender die Nebenwirkungen von Eisentabletten nicht tolerieren (2). 


Blutspende ja! Aber bitte mit Eiseninfusion.


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In einem Beitrag des Deutschen Ärzteblattes heißt es zu dem Problem „Es werde in Deutschland aber schon vor der ersten Spende intensiv über den Eisen- und Erythrozytenstoffwechsel aufgeklärt und eisenhaltige Nahrung empfohlen, auch vegetarische und vegane. Wer ein Steak esse, sollte Orangensaft (Vitamin C) dem Rotwein vorziehen, da Rotwein ebenso wie Kaffee und Tee Gerbstoffe enthalte, die Eisen binden.“ (3) . Dass das klappt darf in Anbetracht des nachgewiesenen Eisenmangels bei Blutspendern wohl zurecht bezweifelt werden.

 

Bei Sportlern muss meines Erachtens, nach Abwägung von allen Chancen und Risiken, eine Substitution in Form von Eiseninfusion, den Eisenmangel ausgleichen, wenn die optimale Performance im Alltag und Wettkampf sichergestellt werden soll.

 


(1) 2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31928-1

(2) (Kiss JE, Brambilla J, Glynn SA, et al.: Oral iron supplementation after blood donation. A randomized trial. JAMA 2015; 313: 575–83.)

(3) https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=172852&s=eisenmangel