Lactoferrin Tabletten

BEI EISENMAGEL

Lactoferrin ist das Mittel der Wahl zur Behandlung von Eisenmangelanämien in der Schwangerschaft.

Neben den optimierten Eisenkomplexen, die vom Körper besser aufgenommen werden, wird seit einiger Zeit immer öfter Lactoferrin zur Verbesserung der Eisenversorgung und Resorption eingesetzt. Lactoferrin ist ein Molekül, dass in der Milch von Rindern vorkommt. In besonders hoher Konzentration tritt es in der so genannten Biestmilch, dem Kolostrum, also der ersten Muttermilch für das Kalb auf. Das Lactoferrin kann reversible zwei Moleküle Eisen, Zink, Kupfer oder andere Metalle binden. Die Affinität von Lactoferrin zu Eisen ist rund 300-fach höher als die vom Körpereigenen Transporteiweiß Transferrin. Es gibt drei zu unterscheidende Arten von Lactoferrin:

 

  • Eisengesättigtes Hololactoferrin
  • eisenfreies Apolactoferrin
  • natürliches, bovines Lactoferrin (Eisen-Sättigung etwa 10 – 30 %)

Wie viel Eisen enthält das Lactoferrin?

Wenn man davon ausgeht, dass nur 10% der Moleküle mit Eisen gesättigt sind und die molaren Massen des Proteins zum Eisenion in Verhältnis setzt, so stellt man fest, dass der Gehalt an Eisen im Lactoferrin verschwindend gering ist. Die Rechnung dazu geht wie folgt: Bei einer molare Masse von Eisen von 55u (bei zwei Eisenionen entsprechend 110u) und einer molaren Masse des Lactoferrin von 80000 ergibt sich ein Verhältnis von 1:727. Bei diesem Verhältnis entfällt auf ein 100 mg Lactoferrin nur der 727te Teil auf Eisen. Dies sind 0,13mg, was bei einer Sättigung von 10 % noch durch 10 geteilt werden muss. Wir reden also von 0,013 mg Einen in 100 mg 10 %ig gesättigtem Lactoferrin. Der Anteil ist also verschwindend gering. Es gibt – wohl auch daher – bei Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln keine Angaben zum Eisengehalt. Allenfalls Angaben zur Eisensättigung sind bei Lactoferrinprodukten zu finden, was aber (s.o.) wenig hilfreich ist.

 

Wie funktioniert Lactoferrin, wenn gar kein Eisen drin ist?

Wenn aber Lactoferrin gar kein Eisen liefert, oder nur verschwindend geringe Mengen, wofür ist es dann überhaupt gut? Um dies zu verstehen hilft ein Blick in die Details des Eisenstoffwechsels. Entzündliche Prozesse, freie Radikale (auch Eisen selbst!) führen in der Leber zur Produktion eines Botenstoffes. Das aus 25 Aminosäuren bestehende Hepcidin gelangt über das Blut u.a. an die Darmwand und bremst dort die Eisenaufnahme, indem das für die Eisenaufnahme verantwortliche Kanalprotein „Ferroportin“ blockiert wird. So gelangt das Eisen aus dem Darm nicht mehr in den Körper, auch wenn größere Mengen davon mit der Nahrung aufgenommen wurden. Diese Regulierung dient dazu, proentzündliche, oxidative Prozesse von Eisen zu verhindern. Allerdings wird dies bei chronischen Entzündungsreaktionen (CED, Rheuma, Übergewicht, Zöliakie) zum Problem, weil der Körper dauerhaft nicht genügend Eisen aufnimmt. Der „Mukosablock“, also der fehlende Transport des Eisens durch die Darmwand, sorgt hier selbst bei hoher Eisenaufnahme mit der Nahrung oder durch Tabletten für Eisenmangelzustände. 

 

Genau hier setzt Lactoferrin an. Das Glykoprotein kann zwar nur geringe Mengen Eisen über den den Lactoferrin-Rezeptor an der Darmschleimhaut in den Körper transportieren. Interessanter ist seine Rolle im Eisenstoffwechsel. Lactoferrin bremst die Entzündungsreaktion im Körper. Die Konzentration von Interleukin 6 und Hepcidin im Blutkreislauf sinkt, wodurch die Eisenschleuse „Ferroportin“ offen bleibt und somit die Eisenaufnahme aus der Nahrung und Eisentabletten verbessert. So ist es möglich die Eisenaufnahme auch bei chronisch entzündlichen Erkrankungen mit Lactoferrin zu verbessern. Dabei treten erfreulicherweise viel weniger Nebenwirkungen im Magendarmtrakt auf als bei Eisentabletten. 



Die Studienergebnisse sind eindeutig. Bei Schwangeren mit fortgeschrittenem Eisenmangel.

Studien an schwangeren Frauen mit Eisenmnagelanämie zeigten dementsprechend auch, dass Lactoferrin bessere Auswirkungen auf das Blutbild und den Eisenstatus hatte, als hochdosierte Eisentablettengaben mit dem sonst üblichen Eisensulfat. Hervorragend wird dies in der Metaanalyse „Lactoferrin or ferrous salts for iron deficiency anemia in pregnancy: A meta-analysis of randomized trials.” von Abu Hashim et al (Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2017 Dec;219:45-52.) zusammengefasst. Die Metaanalyse fasste die Untersuchungsergebnisse von 600 Frauen aus 4 randomisierte, kontrollierten Studien zusammen. Es wurde untersucht, wie stark der Hämoglobinwert nach 4 Wochen mit einer Lactoferrin oder Eisensulfattherapie anstieg. Insgesamt stieg der Hämoglobinwert in der Lactoferringruppe um 0,7 Punkte höher an als in der Eisensulfatgruppe. Eine Betrachtung der Subgruppen führte die Effekte aber vor allem auf Schwangere mit moderater Eisenmangelanämie zurück. Die Unterschiede bei leichter Anämie waren nicht signifikant. Für andere Parameter wie Eisen- und Ferritinspiegel, Frühgeburtlichkeit oder Geburtsgewicht gab es ebenfalls keine signifikanten Unterschiede. Unerwünschte Nebenwirkungen des Magendarmtraktes traten hingegen in der Lactoferringruppe signifikant seltener auf. Das Autorenteam empfiehlt Lactoferrin somit als Mittel der ersten Wahl bei Eisenmangelanämien der Schwangeren.

Grundsätzliche Überlegungen zur Eisensubstitutionin Anbetracht der Lactoferrin-Studienergebnisse

Möglicherweise ergibt sich aus dem oben gesagten, dass hochdosierte Eisengaben durch die dadurch ausgelöste oxidative Stressreaktion im Darm zu einer schlechteren Eisenaufnahme führen. Dies könnte auch erklären, warum die Steigerung der Dosis bei Eisentabletten oftmals keine besseren Eisenwerte der Patienten hervorbringt (wohl aber mehr Nebenwirkungen). Eine verträgliche Eisensubstitution über Tabletten kann also mit 250 mg Lactoferrin am Tag in Kombination mit kleinen, gut resorbierbaren Eisenmengen, vorzugsweise als Bisglycinat erfolgen, um die Resorptionsrate zu erreichen. Bedauerlicherweise werden diese Präparate von der gesetzlichen Krankenkassenkasse nicht erstattet.