Tablette oder Infusion?

BEI EISENMANGEL

Eiseninfusionen können einen Eisenmangel schneller und effektiver ausgleichen als Eisentabletten.

Im ärztlichen Alltag einer internistisch sportmedizinischen Praxis steht man oft vor der Situation, dass Patienten Eisentabletten nicht gut vertragen, dass Sie als Sportler höhere Ferritinzielwerte erreichen möchten als die Tablette dies ermöglicht, oder dass die Tablettengabe früher so ineffektiv war, das Ihnen schlichtweg die Zeit für eine mehrmonatige Therapie fehlt.Die Therapie eines Eisenmangels muss sich daher an verschiedenen Gegebenheiten orientieren. Je nachdem wie hoch das Eisendefizit ist und wie schnell ein Mangel ausgeglichen werden muss, ist die intravenöse Gabe (schnell und hohe Mengen möglich) oder die Gabe als Tablette (langsam und eher für kleine Eisendefizite geeignet) vorzuziehen. Eine Anpassung der Diät hilft neuerlichem Eisenmangel vorzubeugen, ist aber schwer für die Therapie eines manifesten Mangels einsetzbar.


Quelle: Van Wyck et al. Transfusion 2009

Quelle: Van Wyck et al. Transfusion 2009



Eiseninfusion

+   schnell. Mit 1–3 Infusionen/Woche sind auch schwere Mangelzustände binnen weniger Wochen komplett auszugleichen.

 

+   einfach zu dosieren bei latentem Mangel. Im Verlauf sind nur die erneuten Verluste kontrollbedürftig.

 

+   Anheben auch auf hochnormale Werte möglich

 

   sehr seltene Möglichkeit gravierender Arzneimittelnebenwirkungen (anaphylaktischer Schock)

 

  Auftreten von Nebenwirkungen (Übelkeit, Juckreiz und weitere) nach der Infusion

Vorteile auf einen Blick:

  • Schnell.
  • Einfach zu dosieren.
  • Anheben auch auf hochnormale Werte möglich.

Eisentabletten

–   Mindestens 3, oft eher 6-monatige Tabletteneinnahmen

 

   unklare Dosis. Kontrolle 2 Wochen nach Tabletteneinnahme erforderlich

 

   hochnormale Werte nicht immer zu erreichen

 

+   kaum gravierende Nebenwirkungen beschrieben

 

   Auftreten von Nebenwirkungen im Magendarmtrakt (Übelkeit, Verstopfung, schwarzer Stuhl) über den gesamten Einnahmezeitraum.

 

 

Vorteile auf einen Blick:

  • kaum gravierende Nebenwirkungen beschrieben.



Infusionen wirken schneller! 

Dass eine intravenöse Eisentherapie effektiver ist und den Hämoglobinwert des Blutes schneller steigern kann als Tabletten, war auch das Ergebnis einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (1). Die Datenanalyse zeigte, dass Eiseninfusionen zusammen mit blutbildungsstimulierenden Substanzen viele Bluttransfusionen unnötig machen können. Die Arbeit weist außerdem darauf hin, dass Eisentabletten aufgrund der schlechten Aufnahme im Magen-Darm-Trakt bei der Eisenmangelanämie nur eine geringe Wirkung zeigen. Insbesondere auch dann, wenn weitere Erkrankungen wie Rheuma oder Darmerkrankungen vorliegen.

 

Eine Eiseninfusion optimiert die Aufnahme und geht bei modernen Präparaten nur noch sehr selten mit allergischen Reaktionen einher, schreibt der Studienautor Edward Litton vom Royal Perth Hospital in der Meta-Analyse, die insgesamt 75 Studien zusammengefasste.

 

Man darf wohl sagen, dass in den vergangenen zehn Jahren eine vollständige Neubewertung des Risikos von Eiseninfusionen stattgefunden hat. Hieß es vor 10 Jahren noch, dass Eiseninfusionen mit Eisen(III)-Verbindungen aufgrund des Risikos von Nebenwirkungen selten angebracht seien, ist der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA 2013 zu der Einschätzung gelangt, dass der Nutzen der Eiseninfusion die Risiken übersteige. Selbstverständlich müssen bei der Anwendung von Eiseninfusionen Sicherheitsaspekte eingehalten werden (2).

 

Entgegen der anderslautenden internationalen Einschätzungen empfielt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (3) bei Eisenmangelsymptomen soweit medizinisch möglich und vertretbar zunächst eine Substitution mit Eisentabletten. Sollte hiermit ein Auffüllen der Eisenspeicher nicht möglich sein, könnte nach Abwägen von Chancen, Risiken und Nebenwirkungen die Substitution per Infusion erfolgen.


(1) Britisches Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f4822)

(2) CHMP. New recommendations to manage risk of allergic reactions with intravenous iron-containing medicines; www.ema.europa.eu, News vom 28.6.2013

(3) AWMF-S1-Leitlinie zur Therapie von Eisenmangel